Viele Führungskräfte glauben, ein gutes Vorbild zu sein sei das Kernelement von Führung, beziehungsweise Vorbild zu sein reiche vollkommen aus, um ein Team gut zu führen.
Jede Woche höre ich Sätze wie: „Ich mache es doch vor.“, oder: „Ich lebe es, das färbt ab.“
Das Problem bei dieser Denkweise ist, dass Führung kein Vorturnen ist.
Und das mit dem Vorbild funktioniert bedingt auch nur unter zwei Bedingungen
- Es gibt eine tragfähige Beziehung zwischen Team und Führungskraft
- Das Team will der Führungskraft auch folgen
Aber selbst unter diesen Bedingungen bleibt das Tool Vorbild passiv.
Es ist ein Angebot, keine Gestaltung. Und Führung muss gestalten.
Wer ausschließlich auf das Thema Vorbild in der Führung setzt, vermeidet in der Regel das Eigentliche:
- Erwartungen klar zu formulieren
- Verantwortung verbindlich zu übergeben
- Standards zu definieren
- Entwicklung einzufordern
- Konsequenzen zu ziehen
Vorbild zu sein beruhigt das eigene Gewissen, bewegt aber nichts.

Fragen zur Führung
An dieser Stelle beantworte ich jede Woche eine Frage aus meinen Trainings und Coachings. Wenn Ihr auch eine Frage zu Führung habt, schreibt mir an:
„Eigentlich müsste ich die Endkontrollen der Arbeiten delegieren. Aber ich traue es meinem Team nicht zu. Zu oft habe ich schon erlebt, dass es eben nicht klappt. Gleichzeitig komme ich an mein Limit. Ich weiß nicht mehr weiter.“
Soll ich Dir etwas sagen? Solange Du es nicht zutraust, wird es auch niemals funktionieren. Und das liegt nicht an Deinem „unfähigen“ Team, sondern daran, dass Du Sabotage betreibst.
Erkennst Du Dich wieder bei
- Nachkontrolle der Kontrolle
- Zu frühes Eingreifen
- Korrigieren von kleinsten Abweichungen
- Delegation der Aufgabe, aber nicht der Verantwortung
- Keine klare Definition des Qualitätsmaßstabes
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Delegation ist ein Entwicklungsprozess, erst am Ende steht die Entlastung.
Beginne mit folgendem
- Standard vor Vertrauen
Nicht: „Mach das mal.“, sondern kläre, was eine saubere Endkontrolle beinhaltet.
Erstelle eine Checkliste, definiere die Kriterien. - Mach die Verantwortung sichtbar
Wer unterschreibt und trägt dann auch die Konsequenzen? Ohne echte Verantwortung bleibt alles nur ein Spiel. - Lerne Aushalten
Denn es wird anfangs nicht so, wie Du es machst. Aber wenn Du beim ersten Fehler gleich wieder alles an Dich reißt, trainierst Du Abhängigkeiten.
Und zum Abschluss beantworte Dir ganz ehrlich die Frage, ob Du wirklich entlastet werden willst.
Auf den Punkt gebracht:
Viele Kapazitätsprobleme sind in Wahrheit Zutrauensprobleme.

