Du willst, dass Deine Führungskräfte mitdenken. Aber jedes Mal, wenn sie es tun, greifst Du ein.
Er sagte es ganz offen: „Hier hat nur einer wirklich einen Überblick und weiß, wie es richtig geht. Und das bin ich.“
Und gleichzeitig beschwert er sich. Er sagt, seine Führungskräfte denken nicht mit, übernehmen keine Verantwortung. Alles landet auf seinem Tisch. Alle Ideen muss er selber denken.
Er möchte souveräne, eigenverantwortliche Führungskräfte. Und dann beginnt tatsächlich eine Veränderung.
Die Führungskräfte fangen an, ihren Bereich zu strukturieren. Treffen Entscheidungen. Planen eigenständig. Kommen nicht mehr für alles zu ihm.
Und plötzlich wird es unruhig.
Er schaut genauer hin. Stellt Dinge infrage. Korrigiert Entscheidungen. Zieht die Themen wieder an sich. Und sagt Sätze wie:
„Das ist so nicht richtig durchdacht.“
„Da fehlt der Gesamtblick.“
„Die sehen das große Ganze einfach nicht.“
Was passiert hier?
Wenn Du wirklich glaubst, dass nur Du den Durchblick hast, dann ist jede eigenständige Entscheidung der anderen automatisch falsch.
Egal, wie gut sie ist.
Und damit manifestierst Du Dein eigenes System:
- Du bist der Engpass
- Du bist die letzte Instanz
- Du bist der Grund, warum ohne Dich nichts läuft
Nicht, weil Dein Team es nicht kann, sondern weil es gar nicht darf.
Das Paradoxe daran ist, dass Du ja eigentlich Entlastung willst. Aber nur, wenn sie exakt so passiert, wie Du es tun würdest.
Und das wird nie passieren.
Solange Du glaubst, der Einzige mit Durchblick zu sein, wirst Du auch genau das sein – alleine.
Dein Team ist nicht das Problem. Sondern das, was Du daraus machst.

Fragen zur Führung
An dieser Stelle beantworte ich jede Woche eine Frage aus meinen Trainings und Coachings. Wenn Ihr auch eine Frage zu Führung habt, schreibt mir an:
„Mein Team denkt nicht mit und scheut Eigenverantwortung. Wie soll ich in so einer Situation Verantwortung abgeben? Da geht ja die ganze Qualität den Bach runter.“
Das ist sehr ehrlich formuliert und sehr gefährlich.
Was passiert denn, wenn die Verantwortung nicht abgegeben wird? Sie bleibt bei einer Person, alle anderen sind davon abhängig.
Und das ist genau das, was viele Führungskräfte unbewusst wollen.
- Die Kontrolle behalten
- Den Überblick behalten
- Die vermeintlich perfekte Lösung haben
Aber damit geht einher
- selbst der Engpass zu sein
- Die Skalierbarkeit zu verlieren
- Niemand entwickelt sich daneben weiter
- Der Horizont schrumpft
Dein Anspruch, dass es „richtig“ gemacht wird, verhindert, dass es überhaupt gemacht wird – ohne Dich.
Denn Deine Führungskräfte hören auf, selbst zu denken. Sie sichern sich permanent bei Dir ab. Oder sie warten einfach, bis Du es machst.
Und zwar nicht, weil sie unfähig sind. Sondern weil sie gelernt haben, dass Deine Lösung sowieso die einzige ist, die zählt.
Die eigentlich Frage ist also nicht, wie Du Verantwortung abgeben kannst, ohne Qualität zu verlieren.
Sondern die Frage ist, ob Du bereit bist zu akzeptieren, dass andere die Dinge anders – und trotzdem gut – machen?
Oder brauchst Du am Ende gar keine Führungskräfte in Deinem Unternehmen, sondern einfach ausführende Hände?
Auf den Punkt gebracht:
Deine Perfektion ist der teuerste Engpass in Deinem Unternehmen.

