Oft höre ich im Gespräch mit meinen Kunden, dass Mitarbeitende kein Verantwortungsbewusstsein haben .
Oder die Variante: „Die sollen endlich mehr Eigenverantwortung übernehmen!“
Aber was ist da dran?
„Früher war alles besser“ haben schon die alten Griechen gesagt. Über die nächste Generation.
Die Menschen haben schon immer gemeckert, dass „die Jugend von heute“ verantwortungslos sei.
Heute wird Fehlverhalten öffentlich viel sichtbarer, Stichwort Social Media. Aus Einzelfällen entstehen schnell Verallgemeinerungen: „Alle sind so!“
Aber das stimmt natürlich nicht.
Früher gab es klare Rollen, klare Erwartungen (Familie, Beruf, Gesellschaft). Verantwortung übernehmen war Pflicht.
Heute haben wir mehr Wahlmöglichkeiten. Und mehr Individualität. Verantwortung ist nicht mehr Pflicht, sondern verknüpft mit dem Sinn dahinter.
Das bedeutet, dass Menschen Verantwortung übernehmen, aber nur, wenn sie verstehen, warum.
Autorität ohne Erklärung? Wird abgelehnt.
Pflichterfüllung ohne Sinn? Wird abgelehnt.
Sich aufopfern? Wird abgelehnt.
Dazu kommt, dass Verantwortung sich erweitert hat.
Heute gibt es Verantwortungsbereiche, die früher kein Thema waren:
- Mentale Gesundheit
- Gleichberechtigung
- Klima und Nachhaltigkeit
Es entsteht immer dort der Eindruck, Menschen seien verantwortungslos, wo:
- Verbindlichkeiten schlecht kommuniziert werden
- Erwartungen unausgesprochen bleiben
- Das WARUM fehlt
Die Kernfrage ist also nicht: „Haben Menschen weniger Verantwortungsbewusstsein?“, sondern: „Wofür übernehmen sie Verantwortung?“
Denn sie haben heute eine andere Art von Verantwortungsbewusstsein, nicht weniger.
Ob das nun als Fortschritt oder Rückschritt erlebt wird, hängt vom individuellen Wertekompass ab.

Fragen zur Führung
An dieser Stelle beantworte ich jede Woche eine Frage aus meinen Trainings und Coachings. Wenn Ihr auch eine Frage zu Führung habt, schreibt mir an:
„Aus Konflikten meiner Leute halte ich mich strikt heraus. Da bin ich ganz neutral“
Sagte mir neulich ein Coachee.
Das klang erst mal vernünftig: „Die sollen ihre Konflikte selbst lösen, ich bin doch nicht der Kindergarten!“
Aber „raushalten“ ist keine gute Idee, denn
1. Konflikte lösen sich nicht von selbst
Manche vielleicht schon. Aber viele nicht.
Denn was passiert, wenn Du Dich raushältst?
- Der Konflikt schwelt weiter
- Die Fronten verhärten sich
- Die Stimmung im Team wird toxisch
- Produktivität sinkt
Im schlimmsten Fall verlierst Du gute Leute, weil sie keinen Bock auf die Dramen haben.
2. Du bist verantwortlich, auch für Konflikte
Du bist verantwortlich für:
- Die Arbeitsatmosphäre
- Die Zusammenarbeit im Team
- Die Produktivität
Ein Konflikt, der das Team belastet, ist Deine Verantwortung.
Nicht, weil Du ihn lösen musst, sondern Weil Du dafür sorgen musst, dass er gelöst wird.
3. „Raushalten“ ist nicht neutral, es ist eine Entscheidung
Raushalten bedeutet:
- Du akzeptierst den Konflikt
- Du lässt das Team im Stich
- Du sendest das Signal: „Mir ist egal, wie es Euch geht“
Das ist nicht neutral, das ist Desinteresse.
Auf den Punkt gebracht:
Konflikte im Team = Deine Konflikte = Deine Verantwortung

