Neulich wurde ich gefragt: „Wie sehen Sie die Loyalität des Unternehmens gegenüber seinen Mitarbeitern?“

Das ist ein interessante Frage. Wir reden ständig über Mitarbeiterloyalität, aber selten über Unternehmensloyalität.

Also was bedeutet Unternehmensloyalität?

Unternehmensloyalität speist sich aus Vertrauen und Verlässlichkeit.

Und was bedeutet das konkret?

1. Vertrauen
„Ich gebe Dir diesen Job, weil ich glaube, dass Du es kannst und ihn im Sinne des Unternehmens ausführen wirst.“

Es bedeutet:
– Ich traue Dir zu, Entscheidungen zu treffen
– Ich traue Dir zu, Verantwortung zu übernehmen
– Ich traue Dir zu, dass Du mitdenkst

Kein:„Ich vertraue Dir, solange Du tust, was ich sage.“

2. Verlässlichkeit
„Ich halte meine Versprechen und Zusagen an Dich.“

Das bedeutet:
– Wenn ich Dir sage „Du bekommst Entwicklungsmöglichkeiten“, dann bekommst Du sie
– Wenn ich Dir sage „Deine Meinung zählt“, dann zählt sie
– Wenn ich Dir sage „Wir haben eine Fehlerkultur“, dann darfst Du Fehler machen

Nicht: „Wir haben eine offene Kultur“, aber wer widerspricht, fliegt raus.

Das ist anstrengend, ja. Und mitunter ist es auch eine Zumutung. Für beide Seiten. 

Dem Mitarbeiter wird zugemutet:

  • Sich zu exponieren („Was, wenn mein Vorschlag blöd ist?“)
  • Kritik zu äußern („Was, wenn das schlecht ankommt?“)
  • Initiative zu zeigen („Was, wenn nichts passiert und ich habe mich umsonst engagiert?“)

Dem Unternehmen wird zugemutet:

  • Zuzuhören (auch wenn der Vorschlag unbequem ist)
  • Die eigenen Prozesse zu hinterfragen („Vielleicht machen wir es falsch?“)
  • Zu handeln (oder zu erklären, warum nicht)

Wenn beide Seiten das aushalten, entsteht Loyalität.

Fragen zur Führung

An dieser Stelle beantworte ich jede Woche eine Frage aus meinen Trainings und Coachings. Wenn Ihr auch eine Frage zu Führung habt, schreibt mir an:

Ein Kollege wird ausfällig, aber nur, wenn ich nicht dabei bin. Muss ich mich einmischen?

Ja. Und zwar sofort.
Und nicht nur, weil es Deine Aufgabe ist, für eine anständige Arbeitsatmosphäre zu sorgen.
Sondern weil dieses Verhalten ein direkter Angriff auf Deine Autorität ist.

Wenn jemand ausfällig wird, sobald Du nicht im Raum bist, sagt die Person damit:

  • „Ich respektiere Dich nicht, ich spiele nur, dass ich Dich respektiere.“
  • „Deine Regeln gelten nur, wenn Du hinschaust.“
  • „Ich führe hier, sobald Du weg bist, nicht Du.“

Das ist kein Harmonieproblem. Das ist ein Machtspiel.

Und was passiert, wenn Du nicht eingreifst?

1. Dein Team verliert den Respekt vor Dir

Denn Dein Team sieht:

  • Der Kollege verhält sich daneben (wenn Du nicht da bist)
  • Du weißt es (weil andere es Dir sagen)
  • Du tust nichts

Die Botschaft, die beim Team ankommt ist: „Unser Chef hat keine Kontrolle. Der kriegt das nicht in den Griff.“
Im Ergebnis erodiert Deine Autorität erodiert. Nicht nur bei diesem Kollegen, sondern bei allen.

2. Die Kollegin eskaliert weiter

Wenn Du nicht eingreifst, lernt sie: „Ich kann machen, was ich will, solange die Chefin nicht da ist.“

Es wird nicht aufhören. Es wird immer weitergehen. So lange Du es zulässt.

Auf den Punkt gebracht:

Führung endet nicht, wenn Du den Raum verlässt.

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